Der Mut, der nichts kostet
Es gibt Worte, die eine ganze Epoche beschreiben können. Gratismut ist eines davon. Kaum ein Begriff bringt die moralische Verfassung unserer Gesellschaft präziser auf den Punkt. Denn wir leben in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen für mutig halten, obwohl sie in Wahrheit nichts riskieren. Im Gegenteil: Sie erhalten Beifall, Preise, Sendezeit, Fördergelder oder zumindest die beruhigende Gewissheit, auf der vermeintlich richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Das ist kein Mut. Das ist Zustimmung mit moralischer Selbstinszenierung. Wer heute öffentlich gegen Nationalsozialismus auftritt, gegen Rassismus demonstriert oder sich zu den gerade gesellschaftlich erwünschten Positionen bekennt, mag vieles sein – engagiert, überzeugt oder ehrlich betroffen. Mutig ist er deshalb noch lange nicht. Denn Mut beginnt dort, wo der Preis beginnt. Der eigentliche Test lautet nicht: Wofür stehst du ein? Sondern: Was kostet es dich, dafür einzustehen? Wer sich immer nur dort positioniert, wo Me...






