Die falsche moralische Wippe
Es gehört zu den erstaunlicheren Denkfehlern unserer Gegenwart, dass Israel und der Islam in politischen Debatten immer häufiger so behandelt werden, als bildeten sie zwei Seiten derselben moralischen Wippe, auf der das Absinken der einen Seite zwangsläufig das Emporschnellen der anderen bewirken müsse. Über politische, ideologische und kulturelle Grenzen hinweg betrachten viele Beobachter Islam und Israel mittlerweile als untrennbare Konzepte, die in einem starren Entweder-oder-Schema gefangen sind. Aus dieser Sicht schließen sich beide gegenseitig aus: Ist das eine gut, muss das andere schlecht sein; ist das eine schlecht, muss folglich das andere gut sein. Diese Umkehrung tritt besonders deutlich zutage, da Israel sich wachsender Kritik ausgesetzt sieht. Jahrzehntelang lautete die vorherrschende Annahme wie folgt: Wenn der Islam schlecht ist, dann muss Israel gut sein. Heute jedoch wurde dieser Syllogismus auf den Kopf gestellt. Zunehmend wird uns – explizit oder implizit – vermitte...






